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Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Sichtbarkeitsmutmacherin

29. Mai 2022

Einleitung:

Als ich 1965 an einem heißen Julitag im Bergischen Land zur Welt kam und die Nachbarin dann für meine Mutter die reifen Johannisbeeren pflückte, da konnte niemand erahnen, welchen Weg ich mal gehen würde. Ich war ein sehr stilles und recht neugieriges Mädchen. In den siebziger Jahren war von Internet und mal eben etwas googeln lang noch keine Rede. So fragte ich mich, wie ich wohl so viel wie möglich von der großen Welt erfahren könnte. Die Lösung war: Ich steckte meine Nase für mein Leben gern in Bücher. Als es darum ging, was ich nach dem Abi mache, hatte ich keine konkrete Idee. Ich bewarb mich um einen Ausbildungsplatz als Diplom-Bibliothekarin. Zum Glück bekam ich eine Absage, wie ich mir heute denke. Den Grund dafür erfährst du in den 14 Stationen meines Lebens, die dir zeigen, wie ich aus einem schüchternen Mädchen zu einer selbstbewussten Sichtbarkeitsmutmacherin wurde. 

  1. 1984 Abi: Schule weine ich keine einzige Träne nach. Im Geschichtegrundkurs ist es am schlimmsten. Da hab ich bei all den Jungs mit der großen Klappe als schüchternes Mädchen nie eine Chance. So ein Frust und dazu noch das Gefühl, die Lehrerin mag Jungen sowieso lieber. Der Schock von der 5+ im Geschichte-Abi ist zum Glück schnell vergessen, als ich in Köln mein Sprachenstudium anfange und mich unter fast nur Mädels pudelwohl fühle.
Eine große Gruppe Jugendlicher steht in mehreren Reihen hintereinander, die vordere Reihe hockt im Schnee, die meisten schauen nach vorn in die Kamera.
Abi-Abschlussfahrt 1984, ich bin die 4. von rechts mit dem roten Schal.

2. 1990 Start meiner Radiokarriere: Endlich erfüllt sich mein lang ersehnter Wunsch, Radio zu machen. Zwei Jahre vorher war ich an der Technik mit der Bandmaschine kläglich gescheitert. Immer landete gerad der falsche Schnipsel im Papierkorb und das wars dann. Nun sitze ich dank Digitalschnitt super happy im Studio und darf Leuten viele neugierige Fragen stellen. Am Freitagabend moderiere ich regelmäßig das BM-Magazin, das ist manchmal sogar live.

Zwei Frauen sitzen am Tisch, die eine davon hält ein Mikrofon in der Hand, die andere ein Blatt Papier, auf das die beiden schauen. Vor ihnen auf dem Tisch stehen zwei Flaschen.
Kurz vor der Live-Sendung: Mit der Redakteurin checke ich die Moderation.

3. 2001: Der lange Weg zum Profi: Von der Bürgerfunkerin zur freiberuflichen Hörfunkjournalistin habe ich viele Jahre geackert und viel lernen dürfen. Beim Gedanken an eins meiner absoluten Highlights, krieg ich immer noch Gänsehaut. Der WDR-5-Redakteur ruft mich an und gibt mir für die 100. Folge der Hörspielserie „Die drei ???“, einen 12-Minuten-Auftrag. Mir als Newbie im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk! Der helle Wahnsinn.

4. 2002: Mauerblümchendasein ade: Ein paar Mal im Jahr juckel ich nun mit Brigitte und Sabine aus Remscheid nach Coburg. Dort bilden wir uns zum NLP-Practitioner fort. Diese zwei Jahre sind eine super wertvolle Zeit für mich. Ein wahrer Booster für mein Selbst-bewusstsein und Selbstvertrauen. Ich lerne auf der Bühne zu stehen und mich nicht mehr hinter dem Mikrofon zu verstecken. Das macht richtig viel Spaß.

5. 2008: Der erste Schritt zur Lehrerin. Bei der Landesanstalt für Medien bewerbe ich mich um eine Fortbildung zur Medientrainerin. Ich werde angenommen und darf danach Radiokurse an Schulen machen. Nach einer Woche enden die Projekte. Da bin ich jedes Mal ein bisschen wehmütig und würde gern länger bleiben. Bei der nächsten Schule geht´s mit neuen Themen und Schülern weiter.

Eine Frau mit Kopfhörern sitzt in einem Radiostudio am Mischpult. Vor ihr ist ein Mikrofonhalter und ein Manuskripthalter zu sehen.
Studioaufnahmen bei einem Schulradioprojekt in 2010. Ich sitze am Mischpult.

6. Sommer 2011: Das Pädagogik-Master-Studium geht los. Was für eine aufregende Zeit an der Alanus Hochschule mit Kunst, Theater und Philosophie hautnah. Ich schiebe unendlich viele Nachtschichten. Meistens fahre ich mit dem Zug und nehme das Rad fürs letzte Stück mit. Ich liebe es, dem Sonnenaufgang über dem Siebengebirge entgegenzuradeln. Im Winter und abends bleibt oft nur das stressige Pendeln mit dem Auto.

7. 11.07.2014: Juchhu – Ich darf ganz offiziell unterrichten. Die Bezirksregierung Köln erteilt mir die Unterrichtserlaubnis. Mit Urkunde und Siegel drauf. Ätsch, lieber Pädagogikprof! Mehrmals hab ich bei dir im Büro gesessen und jedes Mal hast du angezweifelt, ob ich je die Erlaubnis bekomme.

Urkunde der Bezirksregierung Köln für die Unterrichtserlaubnis für das Fach Englisch
Urkunde der Bezirksregierung Köln für meine Unterrichtserlaubnis

8. Februar 2016: Nach einem Jahr als Lehrerin das Aus. Kurz vor Burnout steige ich aus. Jetzt weiß ich, wie Mobbing aussieht. Das Loch, in das ich falle, ist ziemlich tief. Trotz alledem: Schulen sind immer noch absolut faszinierend für mich. Und erst mal Schulbücher! Da kann ich mich sogar für Geschichte begeistern.

9. 2017: Lernen – meine große Leidenschaft bringt mich voran. Gegen Ende des Studiums bilde ich mich zum Lerncoach fort. Lernen ist ja soviel mehr als Stoff reinziehen, Prüfung schreiben und zum nächsten Thema hüpfen (sogenanntes „Bulimielernen“). Da kann ja keine Freude aufkommen. Endlich hab ich ein neues Ziel vor Augen. Stressfreies Lernen mit Spaß will ich in die Welt bringen. Offline arbeite nun mit Kids, die oft total frustriert und unglücklich zu mir kommen. Hochambitionierte Eltern sind da meist wenig hilfreich. Das ist einer der Gründe, warum ich weiter die Augen aufhalte.

Cover meines Lerncoaching-Flyers

10. Januar 2018: Mein erstes Jahr mit Somba. Nachdem ich in Köln eine Traumbusiness-Veranstaltung besucht habe, bin ich einen Meilenstein weiter. Ich buche Somba und gehe den ersten entscheidenden Schritt zum Onlinecoaching. Im „Passion-o-thon“ mache ich mich auf die Suche nach meiner Positionierung. Was von Anfang an klar für mich ist: Meine Zielgruppe sind Frauen.

11. März 2018 Ladies Lounge: Voller Stolz sitze ich an meinem Messestand und will 100 Frauen für eine kostenlose Beratung gewinnen. Zum ersten Mal wird mir bewusst, was es heißt, sich selbst zu vermarkten. Das ist gar nicht so einfach. Mir fällt wieder der Spruch eines belgischen Sprachtrainers vom deutsch-französischen Jugendwerk ein: „Il faut vendre sa salade“ (Freier übersetzt: Man muss wissen, wie man seinen Salat unter die Leute bringt). Damals glaube ich ja noch, dass Selbstvermarktung „mein“ Thema ist.

Ich sitze am Messestand neben meinem "Komm aus dem Schneckenhaus"-Plakat.
Ich sitze am Messestand neben meinem „Komm aus dem Schneckenhaus“-Plakat.

12. Mitte September 2018: Masterminding in Zürich. Den 7 wunderbaren Frauen an meinem Tisch verrate ich: „Meine größte Herausforderung sind Live-Videos, seit fast einem Jahr drücke ich mich schon davor“. Kerstin Verhufen und die anderen gucken mich groß an und meinen: „Das ist doch ganz einfach“. Sie verraten mir ihre besten Tricks und geben mir auf den Weg: „Das Wichtigste ist, dass du anfängst“. 

Zwei Frauen stehen dicht neben einander auf einem roten Rollup und lächeln in die Kamera.
Mein Buddy Kerstin Verhufen und ich beim Somba-Live-Event in Zürich.

13. Ende September 2018: Los geht´s mit Mo´s Videostudio Nach Zürich übe ich pausenlos und hoch motiviert in meiner privaten Facebook-Gruppe und mache ein Videocoaching. Das bringt mich allerdings nicht ganz zum Ziel. Nun beherrsche zwar die Technik rauf und runter, doch traue ich mich immer noch nicht, auf „Aufnahme“ zu drücken oder live zu gehen. Da weiß ich´s: ich biete ein spezielles Video-Training an, eines speziell für leise Frauen. „Stille Wasser sind tief“, so heißt es. Ich möchte dazu beitragen, dass viele Schätze aus der Tiefe ans Licht kommen und sichtbar werden. Das ist meine Mission, ich möchte die Welt weiblicher und wertvoller machen.

14. Heute bin ich Sichtbarkeitsmutmacherin. Viele weitere Fortbildungen habe ich seit 2018 gemacht, wie zum Beispiel mehrere bei Marike Frick. Nun zeige ich leisen Businessfrauen 40+, wie sie sich mit Videos sichtbar machen. Hätte mir das jemand vor 5 Jahren gesagt, hätte ich nur gelacht. Denn früher als Hörfunkjournalistin hätten mich keine 10 Pferde vor eine Kamera zerren können. Ich hatte solche Angst, mich bis auf die Knochen zu blamieren und nicht fotogen auszusehen. Diese Ängste teilen speziell viele Frauen 40+ mit mir. Bei mir lernen sie, wie sie das nötige Vertrauen und Handwerkszeug bekommen, um sich mit viel Freude sichtbar zu machen. So oft stellen sie dann fest, dass es ja gar nicht die Technik ist, die sie abhält, sondern ihr Mindset. Wenn sie erst einmal diese Hürde genommen haben und dies ist wahrlich ein großer Schritt, wird so viel weiteres Positives in Gang gesetzt. Für mich haben sich dadurch die Stationen auf meinem Lebensweg zu einem wundervollen Ganzen zusammengesetzt, wofür ich super dankbar bin. Eine lange Reise habe ich schon hinter mir. Nun schaue ich voller Freude und Neugier auf alle kommenden Stationen. Und ich freue mich auf die gemeinsamen Wege mit weiteren wundervollen leisen Frauen, denen ich Mut machen darf, sichtbar zu werden.

Vielen Dank an Judith Peters, die mich so wunderbar motiviert hat, diesen Artikel zu schreiben und in deren Challenge ich so viel lernen durfte. Ohne dich wäre ich niemals auf die Idee gekommen, bis in die Nacht hinein Alben, Ordner, USB-Sticks etc. nach Bildmaterial durchzuforsten und dabei viel Spaß zu haben.

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2 Kommentare

  1. Cornelia Leisch

    Liebe Monika, Danke für den kleinen Einblick in dein Leben.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie du mit deiner Einfühlsamkeit Frauen mutig machst.

    Antworten
    • Monika Bodenstein

      Liebe Cornelia, vielen Dank für deine lieben Worte. Das ist tatsächlich eine meiner großen Stärken.

      Antworten

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